Genosse zu werden ist eine Frage der Überzeugung

ADP-Interview mit Herrn Dr. rer. pol. Bruno Weber, Vorstand der ABZ Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte eG (München):
ADP: Herr Dr. Weber, das Thema „Genossenschaft“ scheint derzeit bundesweit in der Zahnärzteschaft großes Interesse zu wecken. Aktuell hat der Freie Verband ja die „Deutsche Zahnärztegenossenschaft eG“ (DZG eG) gegründet. Sie sind mit der ABZ eG schon seit 1992 – also seit über 16 Jahren - „am Markt“, besitzen also immense Erfahrung. Mit welchen Zielen sind Sie damals an den Start gegangen?
Dr. Weber: Die ABZ wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, eine Vertretung der Zahnärzteschaft außerhalb der Zwangskörperschaften Kammer und Kassenzahnärztlicher Vereinigung zu schaffen. Die Gründer der ABZ wollten über die Implementierung einer Abrechnungsgesellschaft den Geldfluss in die Praxen sicherstellen. Dies ist im Zusammenhang mit dem damals heiß diskutierten Korb-Modell zu sehen. Erinnern Sie sich bitte, zur Gründungszeit der ABZ waren der ZE und die KFO noch in der Kostenerstattung.
ADP: Wenn ich richtig informiert bin, zählen Sie mittlerweile ca. 4.000 Mitgliedspraxen. Wie hat sich das entwickelt, gab es auch Rückschläge? Haben sich die Ziele verändert?
Dr. Weber: Wir haben zurzeit 3950 Mitglieder. Wir hatten in Zeiten politischer Veränderung, also immer bei so genannten Gesundheitsreformen, ein starkes Mitgliederwachstum. Natürlich haben sich die Ziele weiterentwickelt. Durch die ständige Veränderung der Rahmenbedingungen in der Sozialversicherung hat auch die ABZ ihr Leistungsspektrum verändert. Am Ziel einer starken Vertretung unserer Zahnärztegruppe haben wir jedoch unverändert festgehalten. Wir fördern unsere Mitglieder wirtschaftlich und beruflich, wie es das Genossenschaftsgesetz vorgibt.
ADP: Welches Leistungsspektrum bietet die ABZ eG an? Was ist denn mit dem, was man neuerdings als „selektives Vertragsmanagement“ bezeichnet, also das Aushandeln von Spezialverträgen mit privaten Krankenversicherern oder gesetzlichen Kassen für Ihre Genossenschaftsmitglieder?
Dr. Weber: Die ABZ hat vier große Dienstleistungsbereiche: 1. Honorarfactoring; 2. Datenverarbeitungsdienstleistung für die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns; 3. Dentalwaren-Geschäfte; 4. Beratung und Managementleistungen. Letzteres insbesondere für Zahnarztnetze, also regionale Zusammenschlüsse unserer Mitglieder, entweder zum gemeinsamen Betrieb eines 3-D DVT oder zum gemeinschaftlichen Auftritt im regionalen Markt. Im Bereich des „selektiven Vertragsmanagements“, wie Sie es nennen, können wir uns durchaus als Dienstleister sehen. Mit unserer SAP-Infrastruktur beschränkt sich unsere Dienstleistung nicht nur auf das Aushandeln sondern auch auf das Durchführen solcher Verträge. Wir haben in diesem Bereich Kontakte zu möglichen Vertragspartnern, aber mit den Ungewissheiten des Gesundheitsfonds besteht derzeit bei Versicherern beziehungsweise Kassen keine hohe Abschlussbereitschaft.
ADP: Die ABZ eG agiert primär im Bundesland Bayern. Wie beurteilen Sie denn die Chancen für eine bundesweite Genossenschaft?
Dr. Weber: Die ABZ erbringt bundesweit Dienstleistungen. Wir haben einige wenige außerbayerische Mitglieder. Ein bundesweites Agieren ist mit hohem Aufwand verbunden, und sie kennen selbst die Heterogenität im zahnärztlichen Berufsstand. Eine Genossenschaft lebt davon, dass ihre Mitglieder, die im Markt konkurrieren, erkennen, dass sie in Teilbereichen kooperieren müssen, um die wirtschaftliche Existenz zu sichern. Dies erfordert ein hohes Maß an persönlicher Präsenz, Glaubwürdigkeit, und Überzeugungskraft, dass die Gemeinschaft dem einzelnen einen höheren Nutzen bringt, als isoliertes Handeln. Bestes Beispiel hierzu sind unsere Betreibergemeinschaften für 3-D DVT. Vergessen wir nicht, bundesweiter Aufbau erfordert bundesweite Nähe zu den Mitgliedern.
ADP: Die ABZ engagiert sich ja auch noch in der Koordinierungskonferenz der Länderinitiativen (KoKoLi), in der Sie sich mit weiteren Verbänden wie dem DZV (Nordrhein), der VgfZ (Schleswig-Holstein) und der VZB-WL (Westfalen-Lippe) zu einer gemeinsamen Plattform zusammengeschlossen haben. Welche Intentionen haben Sie bei diesem Engagement?
Dr. Weber: Bayern ist ein schönes Bundesland. Fast die Hälfte der Zahnärzte hier ist unser Mitglied. Aber die Gesundheitspolitik wird in Berlin für ganz Deutschland gemacht. Patienten außerbayerischer Kassen lassen sich auch hier behandeln. Durch Überbereichliche Gemeinschaften (ÜBAGs) kommt es zu Praxiszusammenschlüssen über die Ländergrenzen hinweg. Wenn wir unsere Mitglieder fördern wollen, benötigen wir Kooperationspartner in ganz Deutschland.
ADP: Sehr geehrter Herr Dr. Weber, herzlichen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.
Quelle: Interview vom 18.09.2008
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