Am 6. Juli berichtete adp-medien über die Gründung der Patiomed AG als Service- und Beratungsunternehmen für zukünftig zu installierende und zu betreibende „Ärztliche Versorgungszentren“ (ÄVZ), zum 1. Juli 2010 ins Leben gerufen durch die ApoBank, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (via KVmed GmbH) und den Deutschen Ärzteverlag (DÄV). Als weitere Gesellschafter sind – wie jetzt bekannt wurde – an Patiomed beteiligt: die Asclepios Kliniken und die PVSmed Beteiligungs- und Steuerungsgesellschaft (eine Tochter der im PVS/Verband zusammengeschlossenen Privatärztlichen VerrechnungsStellen).
Erste Kritik an dem gesamten Unterfangen kam vom Bayerischen Fachärzteverband. Zu einer überaus drastischen Bewertung des Projekts kommt der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft (FÄ) Martin Grauduszus in einem Interview mit dem „ärztenachrichtendienst“ (Extrakt):
änd: Herr Grauduszus, was assoziieren Sie spontan zum Thema Patiomed?
Grauduszus: Ali Baba und die vierzig Räuber – und Ochlokratie.
änd: Ochlokratie? Das müssen Sie erklären ...
Grauduszus: Die Ochlokratie ist ein schon vor Christi Geburt von einem griechischen Historiker geprägter Begriff. Er beschreibt die Entartung der Demokratie. In einer funktionierenden Demokratie sind die Funktionsträger allein auf das Allgemeinwohl bedacht, in der Ochlokratie dagegen steuern sie nur noch Habsucht und Eigennutz, ohne noch Verantwortung für andere wahrzunehmen – wofür sie eigentlich aber bezahlt werden.
Nichts anderes passiert derzeit in den Körperschaften. Es ist ein unglaublicher Vorgang: Von unseren KV-Beiträgen hoch bezahlte Funktionäre verwenden ihre Arbeitszeit darauf, selbst Gesellschaften in Privathand zu gründen, um erst zusammen mit der Politik unsere freiberuflichen Praxen gezielt zu ruinieren, dann die Trümmer einzusammeln und sie schließlich zu einem hübschen Konzern mit angestellten, hoch verschuldeten und damit abhängigen Ärzten zusammenzusetzen. Ob Patiomed dann über die Börse verscherbelt oder direkt an einen Konzern verkauft wird spielt da schon keine Rolle mehr – der Milliardengewinn landet in 40 privaten Taschen, sonst macht die Konstruktion keinen Sinn. Der Klinikkonzern Asklepios hat sich ja bereits beteiligt.
Das ganze ist ein unglaublicher Vorgang, der in einer funktionierenden Demokratie sofort den Staatsanwalt auf den Plan rufen würde. Dass das nicht geschieht nährt meinen Verdacht, dass wir bereits in der Ochlokratie angekommen sind und diese Herrschaften sollten ihr soziales Niveau vor diesem Hintergrund selbstkritisch überprüfen.
Dieser „Patiomed-Skandal“ müsse lückenlos aufgeklärt werden, forderte der FÄ-Chef.
Quellen: Ärzte Zeitung online und facharzt.de am 09.07.10