DZV: „Selektivverträge ein brennendes Thema“

Aufklärungskampagne für Patienten und Zahnärzte mobilisiert die Branche. Deutscher Zahnärzte Verband zieht erste Bilanz
Bergisch-Gladbach, 14. April 2010. Mit seiner bundesweiten Kampfansage gegen Zahnersatz aus Billiglohnländern, Preisdumping und Selektivverträge hat der Deutsche Zahnärzte Verband (DZV) den Nerv getroffen. Seit Februar werben Patientenflyer und auffällige Poster in derzeit schon über 5.000 Praxen für eine hochwertige zahnmedizinische Versorgung der Patienten. Die interne Kampagnenbroschüre für Zahnärzte liefert knallharte Fakten und Hintergründe über Patientensteuerung und Profiteure. Mit Erfolg: Die Offensive hat weit über den DZV hinaus eine Lawine ausgelöst. Täglich machen neue Praxen mit, Zahntechniker-Innungen und –Unternehmen schließen sich an, eine Welle neuer Mitgliedsanträge bestätigt den DZV in seinem Kurs.
„Selektivverträge sind jetzt ein brennendes Thema“, resümiert DZV-Vorstand Martin Hendges. „Eine Menge Zahnärzte haben unsere Aktionspakete angefordert – viele haben die Kampagne zum Anlass genommen, dem Verband beizutreten. „Bisher habe ich noch keinen so überzeugenden Konsens unter Zahnärzten, Patienten und Zahntechnikern gegen Fehlentwicklungen im Gesundheitsbereich erlebt“, erklärt Zahnarzt Oktay Sunkur aus Krefeld. „Die Kampagne spricht mich sehr an. Ich persönlich will mehr dazu beitragen und bin Mitglied im DZV geworden.“
Poster und Flyer in einer Gesamtauflage von über 400.000 Stück tragen die Botschaft bereits in über 5.000 Praxen an die Öffentlichkeit; schon jetzt wird nachgedruckt. Wie viele Zahnärzte berichten, machen die Informationen auch preissensible Patienten nachdenklich. „Der Blick hinter die Kulissen des Zahnersatz-Geschäfts ist schon erschreckend, und die Argumente meines Zahnarztes sind nicht ohne“, so Anna Mosig aus Essen. Auch aus Fachkreisen bekommt der DZV fast ausschließlich positives Feedback. Dazu Hendges: „Wir argumentieren zwar offensiv, aber konstruktiv. Schließlich wollen wir die Patienten nicht verschrecken, sondern aufklären und ihnen andere Wege zu einer kostengünstigen Zahngesundheit aufzeigen. Es ist uns gelungen, alle Zielgruppen zu berücksichtigen: Patienten, Zahnärzte und Zahntechniker. Außerdem stehen viele Krankenkassen auf unserer Seite. Damit haben wir einen starken Zusammenhalt erreicht“.
Die Politik hält indessen die Füße still, eine Reaktion des Bundesgesundheitsministeriums gab es bisher nicht. Auch die Kontrahenten bleiben in der Deckung. „Unsere Argumente sind gut begründet und orientieren sich klar an den Fakten“, sagt Martin Hendges. Wohl deshalb reagierte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse eher hilflos auf die Einladung des DZV zu einem positiv-kritischen Dialog. „Die DAK gibt sich zwar grundsätzlich interessiert an sachlichen Auseinandersetzungen zum Thema Selektivverträge, macht aber zugleich einen Rückzieher: Mit einzelnen Vereinigungen wie uns könne man aus Kapazitätsgründen nicht in diesen Dialog eintreten“, so Hendges.
Mittlerweile formiert sich ein breites Aktionsbündnis. „Wir beobachten, dass die Zahnärzte vor Ort näher zusammenrücken und Kampfgeist zeigen“, freut sich Dr. Torsten Sorg, Zahnarzt in Krefeld und DZV-Vorstand. Vielerorts würden Initiativgruppen gegründet. „Wie sehr die Kampagne den Nerv trifft, zeigt auch, dass quer durch die Republik der Mustervortrag des DZV zu Selektivverträgen angefordert wird.“ Da könnte auch für die Management- und Handelsgesellschaften, die vom Fernost-Zahnersatz profitieren, die Luft bald dünner werden. Billiganbieter streiten bereits untereinander darüber, wer und in welcher Form man überhaupt mit dem Begriff „Nulltarif“ werben dürfe. Martin Hendges ist sicher: „Immer mehr Zahnärzte sehen solche Selektivvertragspartner heute mit tiefer Skepsis. Wir sollten unsere berufliche Zukunft nicht diesen branchenfremden Unternehmen anvertrauen, sondern sie selbst in die Hand nehmen und aktiv gestalten.“
Quelle: DZV-PM vom 14.04.2010
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